Hier ein kurzer Überblick über die Post-Bellas:

Für den Telegramm und Eilbotendienst prüfte die Bundespost Ende 1954/Anfang 1955 die Einführung von Motorrollern. Nach eingehenden Versuchen hatte sich die Bundespost für die Zündapp Bella und gegen Heinkel Tourist und Dürkopp Diana entschieden. Wie dann auch die Praxis zeigte, war die robuste Bella bei Langlebigkeit, Gebrauchshärte, Fahrverhalten auch unter schwierigen Gegebenheiten, Alltags-Performance nicht zu schlagen. Kurz gesagt, man konnte und kann sie den ganzen Tag dreschen, ohne dass was kaputt geht oder die Leistung nachlässt. Die erste Auslieferung von knapp über 100 honiggelben Bella-Rollern erfolgte im späten Frühjahr 1955 an 20 Oberpostdirektionen. Ausgeliefert wurden die Kickstarter-Modelle R 200 (10,7 PS) und (im geringen Umfang) R 150 (7,3 PS). Diese waren außer Lackierung, Linierung und dem Weglassen des Soziussitzes serienmäßig, d.h. auch ohne Gepäckträger. Ab Modelljahr 1956 wurde das Anlassermodell R 201 in verschiedenen Varianten in Dienst gestellt:

  • Solo-Roller mit Einzelsitz ohne Gepäckträger
  • Solo-Roller mit Einzelsitz mit großem Gepäckträger, der 2 Spanngurte mit Ratsche hatte
  • Solo-Roller mit Einzelsitz und Päckchenkasten (von Steib gefertigt)
  • Solo-Roller mit Einzelsitz und Lastenseitenwagen (Steib Typ Roller T1)

Ab 1957 hat die Post Bellas auf Basis der R 203 bestellt. Wahrscheinlich noch in allen 4 Varianten. Spätestens 1959 erfolgte die Umstellung bei der Post auf Bella R 204 (12,3 PS). Die Varianten dürften sich auf den Solo-Roller mit Einzelsitz und großem Gepäckträger und das Lastenseitengespann beschränkt haben. Der Päckchenkasten hatte sich in der Praxis nicht bewährt. Er war mit 21 kg sehr schwer und im beladenen Zustand muss das Fahrverhalten trotz des hervorragenden Bella-Fahrwerks abenteuerlich gewesen sein. Das Gewicht sitzt einfach zu hoch und entlastet die Schwinge, was zu Pendelneigung führt. Bei den Lastenseitenwagen-Gespannen fällt häufig der Anbau auf der linken Seite auf. Dies dürfte im Hinblick auf Briefkasten-Entleerung bestellt worden sein (Fahrer kann praktisch nicht absteigen bzw. um das Fahrzeug laufen). Für Steib war das kein Problem, da man für England das Fahrgestell des Rollerseitenwagens mit Linksanschluß im Programm hatte. Ab 1961 wurde der 204- Motor auf 13,4 leistungsgesteigert und als „bella 200“ (mit klein geschriebenen „b“ verkauft). Die exakte Typenbezeichnung war 551-025 (ohne Blinker) und 551-026 (mit Blinker). Denkbar ist auch, dass eine spezielle Post-Typnummer 551-0xx auf dem Typenschild zu finden ist (wir haben sowas bei Polizei-Bellas gefunden). der Solo-Postler wurde nun auch mit großen Posttaschen auf beiden Seiten der Haube ausgeliefert. Gespanne dürften nicht mehr zur Auslieferung gekommen sein. Die letzten Auslieferungen dürften 1963 abgewickelt sein. Ersatzteile in Postgelb hat Zündapp noch weit bis in 60er Jahre bevorratet. Aufgrund der langen und bis 1960 exklusiven Vertriebszeit gehen unsere Schätzung von bis zu 2000 Post-Bellas aus. Dafür spricht auch, dass immer wieder Ex-Postroller bzw. Reste davon in Bella-Kreisen aufgetaucht sind.

Wer noch eine Post-Bella hat oder Reste eines Postrollers, wir würden gerne die Daten für das Bella-Register erfassen.